Details zum RWE-E.ON-Deal

RWE und E.ON waren lange die größten Wettbewerber auf dem deutschen Energiemarkt, die sich seit jeher untereinander in allen Geschäftsfeldern Konkurrenz gemacht haben.

Im März 2018 hatten RWE und E.ON die Absicht bekanntgegeben, sich neu auszurichten, den Wettbewerb untereinander einzustellen und sich den Markt aufzuteilen. Durch ein Bündel von Verträgen sollen sich die Stromerzeugung und der Großhandel bei RWE und das Netz- und Endkundenvertriebsgeschäft bei E.ON konzentrieren. Zu dieser abgestimmten Marktneuaufteilung gehörte unter anderem die Übertragung der Erzeugungsanlagen und des Stromgroßhandels der E.ON an RWE, die die Europäische Kommission mit Beschluss vom 26.02.2019 freigab.

Warum wollen die vormals ärgsten Konkurrenten gemeinsame Sache machen?

Durch den Deal entstehen zwei miteinander verflochtene, in den jeweiligen Bereichen marktdominierende Player. Der Wettbewerb zwischen den ehemals größten Konkurrenten wird damit ausgesetzt. Mit Abschluss dieses Deals würden die beiden Konzerne also im Handstreich den Energiemarkt in Deutschland neu ordnen und könnten in den jeweiligen Geschäftsbereichen das Energiemarkt-Spielfeld dominieren.

Das springt für die beiden dabei raus:

Auf gut zwei Dritteln der Fläche Deutschlands wäre der E.ON-Konzern Strom-Grundversorger.

RWE wird der Kraftwerkspark von Innogy und E.ON zugeordnet, wodurch das Unternehmen sowohl im konventionellen als auch im Erneuerbaren-Bereich einen großen Teil der deutschen Stromerzeugungsleistung in der eigenen Hand bündelt.

RWE hält zudem eine Beteiligung an E.ON in Höhe von 15 Prozent. Damit hat der Konzern auch ein strategisch-ökonomisches Interesse am Wohlergehen des ehemals größten Konkurrenten.

E.ON würde das Endkundengeschäft im Strom- und Gasbereich, den Betrieb von Strom- und Gasnetzen sowie junge Geschäftsfelder wie die Ladeinfrastruktur für Elektroautos übernehmen.

Die Gefahren des Deals

Die Konzerne können ihre kommende marktbeherrschende Stellung zum Nachteil von Verbrauchern und Wettbewerbern ausspielen. Was könnte passieren, wenn der Deal so vollzogen wird:

E.ON wird über seine Subunternehmen und –marken viele Regionen beim Strom- und Gasvertrieb beherrschen, es drohen höhere Preise für Verbraucher*innen.

RWE würde zum absoluten Dominator bei Kraftwerkskapazitäten und im Großhandel.

Bei neuen Geschäftsmodellen können die Konzerne ihre jeweilige Markt- und Finanzmacht nutzen, um Standards für alle zu setzen und Konkurrenten zu verdrängen.

E.ON könnte Schritt für Schritt viele unabhängige kommunale und mittelständische Anbieter binnen weniger Jahre aus dem Markt verdrängen.

E.ON würde als deutlich größter Netz- und Messstellenbetreiber zum Hüter der immer wichtiger werdenden Energiedaten, zudem wäre der Konzern in vielen Landkreisen marktbeherrschend bei Ladepunkten für Elektromobilität.

Was bedeutet der Deal für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Ökologie?

Erneuerbare Energien werden eher als Großkraftwerk gedacht – Fokus auf Offshore und sehr große Parks statt Beteiligung der Bürger.

RWE ist auch Besitzer von fossilen Großkraftwerken und Betreiber von entsprechender Infrastruktur (insb. mit Blick auf Methan) und steht nicht für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Ökologie.

E.ON als Netzbetreiber ist kein Verfechter von Vor-Ort-Lösungen.

Orientierung am Shareholder Value ist wichtiger als nachhaltige Geschäftsausrichtung.

Was bedeutet das für Stromkundinnen und -kunden?

Die Auswahl zwischen Stromanbietern würde massiv eingeschränkt: In manchen Regionen würde es zukünftig nur noch die Wahl zwischen unterschiedlichen E.ON-Töchtern und -Marken geben.

Der Wettbewerb wäre außer Kraft gesetzt, die Endverbraucherinnen und Endverbraucher müssten in der Folge mit steigenden Strompreisen rechnen.

Gleichzeitig würde RWE zum größten Stromproduzenten Deutschlands und in einzelnen Marktsegmenten dominierend. Auch hier muss damit gerechnet werden, dass die Kundinnen und Kunden durch die Profitinteressen der beiden Marktriesen über Gebühr belastet werden.